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"Sprachlosigkeit" in der Liturgie?

Die Wortwahl ist drastisch - über das Problem, das Erik Flügge anspricht, sollten wir aber nachdenken.

Erik Flügge: "Was mich an religiöser Sprache wirklich nervt, dass sie auch gänzlich belanglose Momente zwanghaft versucht mit Wichtigkeit aufzuladen. Das wirkt dann deplatziert und schlimmstenfalls peinlich."


In Gottesdiensten wird oft die Sprache kritisiert. Das betrifft sowohl alte Gebete und Lieder, aber auch viele Predigten. In der Tat scheinen die Texte, die wir oft unreflektiert verwenden, für viele Menschen eine Barriere zu sein.

Erik Flügge hat mit seinem Buch "Der Jargon der Betroffenheit: Wie die Kirche an ihrer Sprache verreckt" eine wichtige Diskussion angestoßen. Ich denke, es ist höchste Zeit, darüber nachzudenken, über was wir in unseren Gottesdiensten beten, singen und predigen und wie wir das tun. Sprache ist Kommunikation und es ist spannend, zu beobachten, was alles in unseren Gottesdiensten so alles "kommuniziert" wird. Wenn man richtig hinsieht, sieht und fühlt man sofort, ob die Gottesdienstgemeinde noch anwesend ist oder nicht.

Es gibt Lieder, die der Organist noch so oft mit der Gemeinde einüben kann - wenn die Lieder die Menschen nicht erreichen, sind sie vielleicht musikalisch wertvoll, im Ergebnis aber nutzlos. Bei anderen Liedern spüre ich schon während der Liedbegleitung, dass die Menschen gerne mitsingen. Auch viele alte Lieder werden gerne mitgesungen - es wäre falsch zu denken, dass ein Lied nur deswegen schlecht ist, weil es alt ist. Ganz im Gegenteil. Viele alte Lieder haben so wunderbare Melodien und Texte, dass sie "zeitlos" sind, seit Jahrzehnten fest im Repertoire der Gemeinden verankert sind und sehr gerne gesungen werden.

Wir haben aber immer noch zu wenige Lieder (und auch Gebete), die den Menschen unserer Zeit und ihren Lebensgewohnheiten nah sind - textlich und auch musikalisch. Das sogenannte NGL (Neues Geistliches Lied) wird oft gerade wegen seiner Sprache belächelt. Einige der "belächelten" Lieder sind aus den 70er/80er Jahren und sprachlich und auch musikalisch oft wirklich nicht gut.

Es gibt aber mittlerweile wunderbare Lieder - auch aus dem Bereich von Lobpreisliedern und Worship - die es unbedingt in das Repertoire der Kirchengemeinden schaffen sollten. Und warum sollte alles immer nur auf der Orgel begleitet werden? Oft ist ein gutes Klavier oder eine kleine kleine Band der Musik angemessener.

In die Überlegung, welche Lieder für die Gottesdienstgemeinde angemessen sind, muss aber auch einfließen, dass es heute "die" Gottesdienstgemeinde nicht gibt. So wie alles um uns herum sich differenziert, differenziert sich auch eine Kirchengemeinde. Ich spiele zum Beispiel schon lange nicht mehr in jedem Gottesdienst am Wochenende dieselben Lieder. In den Gottesdiensten, in denen ich am Wochenende die Orgel spiele, treffe ich sehr unterschiedliche Gottesdienstbesucher an. Warum sollte man darauf nicht eingehen und die Liedauswahl entsprechend anpassen?

Man muss nicht allen Thesen von Erik Flügge zustimmen: wichtig ist aber, ein Gefühl dafür zu bekommen, was in Gottesdiensten wie "wirkt" - und es gibt in der Kommunikation so gut wie nichts, was nicht eine Wirkung hat....in welche Richtung auch immer!


Zum Weiterlesen:


"Verschrobene, gefühlsduselnde Wortbilder reiht ihr aneinander und wundert euch, warum das niemand hören will. Ständig diese in den Achtzigern hängen gebliebenen Fragen nach dem Sein und dem Sinn, nach dem wer ich bin und werden könnte, wenn ich denn zuließe, dass ich werde, was ich schon längst war. Hä?“











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