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Iona - eine ökumenische Gemeinschaft auf einer kleinen schottischen Insel Neugierige Auseinandersetzung mit dem Hier und Jetzt

Iona ist eine kleine Hebrideninsel an der schottischen Westküste. Dort gründete 538 Columban von Iona ein keltisches Kloster, dessen Einfluss schon bald über die Grenzen Schottlands und Englands hinaus ging. Die ökumenische Kommunität in Iona entstand 1938 auf Initiative des presbyterianischen Pfarrers Georg MacLeod. Ihre Aufgabe war neben dem Aufbau der mittelalterlichen Abteilkirche, neue Wege zu finden, das Evangelium in der heutigen Welt zu leben. Heute sehen die ca. 300 Mitglieder der Kommunität den Schwerpunkt ihrer Arbeit im Einsatz für Gerechtigkeit und Friede. Sie treten ein für eine Erneuerung der Kirche, legen großen Wert auf ökumenische Zusammenarbeit und suchen nach neuen einladenderen Gottesdienstformen. 

Am 30./31. Oktober 2015 wurde die Iona-Liturgie und das im Strube-Verlag erschienene Liederbuch „Freut euch und singt“ im evangelischen Film-, Funk- und Fernsehzentrum der evangelischen Kirche im Rheinland in Düsseldorf vorgestellt. Als Gast war unter anderem John Bell eingeladen, der ganz wesentlich für die Musik der Iona-Kommunität zuständig ist.

Was ist so spannend an dieser Liturgie und am Liederbuch? Auf den ersten Blick ist alles sehr einfach - bei dem einen oder anderen „klassischen“ Kirchenmusiker kommt unter Umständen ein Gefühl von Unterforderung auf. „Vollblut-Liturgen“ empfinden die Liturgie vielleicht als stark ausgedünnt, die Texte sprachlich flach. Doch ich denke, es lohnt sich, genauer hinzuschauen und zu entdecken, welche Idee dahinter steckt. John Bell sagt über die Musik, die er macht, dass sie eigentlich keinen definierten Stil hat. Er sagt, Lieder werden geschrieben, weil sie gebraucht werden. Er beruft sich dabei auf die Psalmen, die entstanden sind, weil Menschen ihrer Not oder auch ihrer Freude Ausdruck verleihen wollten. John Bells Lieder beziehen sich auf die frohen und glücklichen Momente des Lebens, in denen Menschen Gott preisen und ihm Dank sagen, aber auch auf Situationen, in denen Menschen in ihrer Trauer oder Not nach Gott rufen. Die Lieder, wie auch die liturgischen Vorlagen verbinden den Gottesdienst der Kirche mit dem Leben der Welt.

Wahrscheinlich werden jetzt viele Leser sagen, dass das doch in unseren Gottesdiensten jeden Sonntag auch passiert… Schaut man sich die Lieder und auch die liturgischen Texte der Iona-Kommunität aber genauer an, fällt eine unglaublich große Sensibilität auf. Sowohl gegenüber der Musik als auch der Texte, die gesungen werden. Das, was auf den ersten Blick einfach (vielleicht manchen zu einfach…) wirkt, ist das Anliegen, neue Lieder zu schreiben, die unsere heutige Sprache sprechen, dem heutigen Musikgeschmack näher kommen, aber auch „gemeindetauglich“, d.h. mitsingbar sind. Der Iona-Kommunität ist die Beteiligung der Gottesdienstbesucher sehr wichtig - die Gemeinde muss mitmachen und mitsingen können. John Bell sagt, dass die sie auch beim Entstehen der Lieder mitwirkt. Vieles andere, was im Bereich der „moderneren“ Kirchenmusik heute „präsentiert“ wird, ist nicht leicht mitsingbar. Ergebnis ist oft, dass die Gemeinde nur noch zuhört. Als „Profi-Kirchenmusiker“ mit klassischer Ausbildung, sollte man daran denken, dass Kirchenmusik Gebet ist und nicht für einen Wettbewerbe gemacht wird, wie John Bell es sagt. Mitsingen können müssen alle - nicht nur der Chor alleine, sondern wirklich alle! John Bell sagt, dass das „immer mehr“ und „immer besser“ die Situation der Gemeinden nicht verbessern würde. Große Konzerte, größere und bessere Orgeln, bessere Mikrophone und Lautsprecheranlagen alleine reichen dazu nicht aus. Ich denke, da hat er Recht. Nicht nur die Musik, sondern die Liturgie insgesamt muss den Menschen erreichen. Unterschiedliche Menschen können nur auf unterschiedliche Weise erreicht werden können. Dafür braucht Kirchenmusik eine große Bandbreite an verschiedenen Liedern und Musikstilen. Die Musik aus Iona erweitert unser kirchenmusikalisches Spektrum.

Im Liederbuch heißt es, dass John Bell und seine Kollegen die „Leute dazu befähigen (wollen), sich neugierig und kritisch mit dem Hier und Jetzt auseinanderzusetzen und sich andere mögliche Welten vorzustellen, seien sie liturgisch, kirchlich, sozial und politisch“. Dass das ja mittlerweile in vielen Kirchengemeinden und in unserer Kirche an vielen Orten auf verschiedenen Ebenen getan wird, ist sehr erfreulich. Erfrischend war der Humor, mit dem John Bell seinen Vortrag immer mal wieder anreicherte. So verglich er die Lieder, die wir im Gottesdienst singen mit der Liebe zweier Menschen. Schenkt man sich in jedem Jahr dieselbe Pralinenmischung ist es wahrscheinlich nach einigen Jahren vorbei mit der großen Liebe. Mit dem Psalm 98 ruft er dazu auf: Singt dem Herrn ein neues Lied!“ 
Dieter Leibold

„Freut euch und singt“
Wild Gosse Lieder aus der Iona Community
deutsche Übersetzungen von 100 Liedern, 1-stg. bis 4-stg. Sätze, teilweise mit Klavierbegleitung und engl. Originaltexten aus der Iona Community - John L. Bell, Graham Maule & andere (Glasgow & Iona, Scotland) 
Im Auftrag des Chorverbandes in der Ev. Kirche im Rheinland, herausgegeben von Mark S. Burrows
Strube Verlag Edition 6782

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